Auf Nachbesserungen drängen

Auf Nachbesserungen drängen

Mitglieder von Junger Union und Bauernverband sprechen über Brüsseler Agrarreformpläne

Tirschenreuth/Kemnath. (hwk) Neue Verordnungsvorschläge aus Brüssel zur Agrarpolitik in der Europäischen Union lassen die bayerischen Bauern seit ihrem Bekanntwerden aufhorchen. Der Versuch, die zwölf Millionen landwirtschaftlichen Betriebe in der EU von Finnland bis Zypern und von Estland bis Portugal über einen Kamm zu scheren, könnte die heimischen Landwirte in massive Bedrängnis bringen.

Dies war Thema eines Treffens, an dem neben Bernhard Söllner, Kreisvorsitzender der Jungen Union Tirschenreuth, auch die Kreisbäuerin des Bayerischen Bauernverbandes, Christa Söllner, sowie Markus Übelmesser, Vorsitzender der Oberpfälzer Jungbauernschaft, und Hans Walter, Arbeitskreisleiter Wirtschaft des JUKreisverbandes, Katharina Hars, JU Ortsvorsitzende von Brand, Daniel Miedl, JU-Ortsvorsitzender von Pullenreuth, und Gemeinderat Florian Söllner aus Brand teilnahmen.

Umsetzung unmöglich

Neben einer geplanten umfangreichen Flächenstilllegung sieht der Vorschlag auch vor, dass ein Landwirt im Jahr mindestens drei verschiedene Feldfrüchte beziehungsweise Kulturen auf seinen Flächen anbaut.

„Allein diese geplante Vorschrift könnten aus heutiger Sicht etwa 25 Prozent der heimischen Betriebe nicht umsetzen, da es durch die betriebliche Ausrichtung, aus Effizienzgründen und einer arbeitswirtschaftlichen Erleichterung unmöglich ist“, so Übelmesser.

Das Hauptproblem ist aber das Vorhaben, sieben Prozent der Fläche aus der Produktion herauszunehmen, um weiterhin Direktzahlungen zu erhalten, so Christa Söllner. „Einerseits erwarten die Gesellschaft und die Politik von uns Bauern, dass wir die Versorgungssicherheit von Lebensmitteln garantieren und Beiträge zum Ausbau von nachwachsenden Rohstoffe erbringen, anderseits wird uns hierfür aber die notwendig gebrauchte Fläche entzogen. Das passt für die Bauern so nicht.“

Kreisrat Bernhard Söllner rechnete vor: „Wenn man bedenkt, dass bei uns ein landwirtschaftlicher Betrieb im Durchschnitt 40 Hektar bewirtschaftet, entspricht dies, auf den Landkreis gesehen, dass rund 50 Betriebe keine Fläche mehr zum Bewirtschaften hätten“.

Weniger Direktzahlungen

„Wenn ein Betrieb diese Forderungen nicht umsetzen kann, erhält er entsprechend weniger EU-Direktzahlungen“, so die Kreisbäuerin und erläuterte weiter, dass diese Zahlungen bei manchen Betrieben bis zu 50 Prozent der Einnahmen ausmachen.

Dabei waren sich alle einig, dass diese Zahlungen ein Betrieb, vor allem bei uns in der Region, brauche, da diese vor allem auch als Ausgleich für die Mehrkosten durch die in der EU sehr hohen Standards im Bereich Umweltschutz, Tierschutz und Lebensmittelsicherheit anzusehen sind. Zudem honorieren sie auch die öffentlichen Grundleistungen, die die Landwirte erbringen.

„Hier muss Brüssel unbedingt umdenken“, forderte Bernhard Söllner und gab zudem zu bedenken, dass darüber hinaus in Bayern täglich über 20 Hektar land- und forstwirtschaftliche Flächen für Siedlungen, Industriegebiete, Straßen und die nötigen Ausgleichsflächen verloren gehen.

Wirksamer Naturschutz

Christa Söllner erklärte weiterhin, dass die bayerischen Bauernfamilien zu einem wirksamen Umwelt- und Naturschutz stehen. „Bereits jetzt werden über freiwillige Agrarumweltschutzmaßnahmen auf jedem dritten Hektar spezielle Umweltleistungen erbracht, was den Einsatz für ein besonderes nachhaltiges Wirtschaften durch uns Bauern unterstreicht“, so die Kreisbäuerin.

Leistungsfähigkeit sichern

Deshalb waren sich die Gesprächsteilnehmer einig, dass Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner, Staatsminister Helmut Brunner und alle bayerischen Europaabgeordneten auf diverse Nachbesserungen in den Beratungen drängen müssen, um die Leistungsfähigkeit der heimischen Betriebe sicherstellen zu können.

 

Übergabeschreiben an Ilse Aigner

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