Grünen-Kreisvorsitzender spricht bei JU

Grünen-Kreisvorsitzender spricht bei JU

In Zeiten, in denen selbst die neue Regierung in Berlin, die Atomenergie als Übergangslösung bezeichnet, geraten regenerative Energien immer mehr in den Fokus der öffentlichen Diskussion. Über die Chancen und Möglichkeiten, die erneuerbare Energien bieten, informierte auf Einladung des Kreisverbandes Tirschenreuth der Jungen Union nun Konrad Schedl, der Kreisvorsitzende der Grünen im Landkreis.

In seinem Vortrag “Desertec – ein falscher Name für ein richtiges Konzept” räumte er zuerst ein Missverständnis aus, das aufgrund der Bezeichnung des Technologieprojekts häufig auftaucht. Denn Desertec beschränke sich keineswegs nur auf große Solaranlagen in den Wüsten Afrikas. Auch regenerative Energien, wie Wind, Wasser, Photovoltaik, Biomasse oder Geoenergie spielen eine große Rolle, so Schedl.

Mit geringem Aufwand

Die Standorte der Energieanlagen für diese Ressourcen fänden sich größtenteils in Europa und damit auch in Deutschland. Nach Meinung Schedls müsse man Energie dort ernten, wo sie am kostengünstigsten und mit relativ geringem Aufwand produzierbar ist. So könnten große Windkraftanlagen an der Nordsee den europäischen Energiebedarf mehr als vier Mal abdecken. Problematisch sei aber die Tatsache, dass heute Atom- und Kohlekraftwerke noch weitaus billiger produzieren als Anlagen, die mit erneuerbarer Energie arbeiten. “Bei guter Arbeit wäre es aber in fünf Jahren schaffbar, dieses Manko zu beseitigen”, so Schedl zu den Chancen, die den regenerativen Energien auch aus wirtschaftlicher Sicht zum Durchbruch verhelfen könnten.

Nachhaltigkeit

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Vernetzung der verschiedenen Stromtrassen. Denn nur ein großes gesamteuropäisches Netz, das mit einem afrikanischen Netz verbunden sei, könne zusammen mit großen Pumpspeicherwerken für eine ausreichende Nachhaltigkeit und Versorgungssicherheit der erneuerbaren Energien sorgen. Dieses Backup-Management könne Schwankungen, die an einzelnen Erzeugungsorten auftauchen können, ausgleichen. “Kleine energieautarke Orte bringen das Projekt nicht weiter, man muss hier in einer europa- oder weltweiten Dimension denken”, schloss Schedl seinen Vortrag.

Folgen nicht absehbar

In der anschließenden Diskussion wurden auch kritische Töne laut. Gerade der Bau von riesigen Energieanlagen stieß auf Widerstand. Neben der Zerstörung des Landschaftsbildes seien die Folgen für Mensch und Natur nicht absehbar. Auch die Möglichkeiten, die der Landkreis oder die Region Nordoberpfalz hätten, an der Entwicklung teilzunehmen, wurden angesprochen. Schedl sieht hier vor allem die Dezentralität des neuen Konzepts als Chance. Man könne mit für eine Nachhaltigkeit sorgen und dafür beispielsweise Windkraftanlagen in Höhenlagen installieren. Auch ein zweites Standbein für Landwirte als Energiewirte sei vorstellbar.

Benjamin Zeitler, Kreisvorsitzender der JU, fasste zusammen, dass sich durchaus Möglichkeiten für den Landkreis bieten, aber momentan noch eine weitergehende Vernetzung und Koordinierung fehle. Für die Zukunft müsse es das Ziel sein, aus den vielen unterschiedlichen Wegen, die zu einem Durchbruch der erneuerbaren Energien führen könnten, den besten herauszufiltern.

(Der Neue Tag, 14.11.2009)