Heimatminister Söder wertet Waldsassen zum neuen Oberzentrum auf - Erbendorf und Windischeschenbach werden gemeinsam neues Mittelzentrum

Gleichwertige Lebensverhältnisse in ganz Bayern schaffen, so lautet das seit 2013 in der bayerischen Verfassung verankerte Ziel des Freistaats. Heimatminister Dr. Markus Söder wertet den ländlichen Raum seitdem Schritt für Schritt auf. "Der bisher größte Wurf gelang uns im vergangenen Jahr mit dem Beschluss zur Verlagerung von über 460 Behördenarbeitsplätzen in die nördliche Oberpfalz und das angrenzende Marktredwitz“, erinnert der Tirschenreuther Landtagsabgeordnete Tobias Reiß an den Beschluss gleich mehrere Behörden anzusiedeln. Doch die Verlagerung von Behörden sollte noch nicht der letzte Streich sein. „Heimatminister Söder wird die Stadt Waldsassen zum Oberzentrum und die Städte Erbendorf und Windischenschenbach gemeinsam zum Mittelzentrum aufwerten“, berichtet Landtagsabgeordneter Tobias Reiß (Tirschenreuth). Insgesamt würden bayernweit 11 neue Oberzentren geschaffen, 16 neue Mittelzentren. 

Größte Überraschung dabei ist die neue Einstufung der Klosterstadt Waldsassen im Landkreis Tirschenreuth. Die knapp 7.000 Einwohner zählende Kommune steigt gemeinsam mit Eger (Cheb) durch die immer enger werdende Verzahnung mit den tschechischen Nachbarn zum Oberzentrum auf. Dem ersten Oberzentrum im Landkreis Tirschenreuth überhaupt, denn bisher war Weiden das einzige Oberzentrum in der nördlichen Oberpfalz.

„Man kann es kaum glauben, ich habe erst einmal einen Luftsprung gemacht“, zeigte sich Waldsassens Bürgermeister Bernd Sommer von der Nachricht völlig überrascht. „Der Titel Oberzentrum ist ein Beleg für die Bedeutung Waldsassens für die Versorgung und Infrastruktur in der Region, aber zugleich auch Verantwortung“, so Sommer weiter. Er wolle sich ausdrücklich für die Unterstützung von Landtagsabgeordneten Tobias Reiß und Staatssekretär Albert Füracker bedanken, denn mit diesem Erfolg konnte niemand rechnen. In Zukunft werde Waldsassen bei der grenzüberschreitenden Entwicklung eine noch gewichtigere Rolle zukommen, ist sich Sommer sicher. 

Neben der Klosterstadt werden aber auch die Stadt Erbendorf im Landkreis Tirschenreuth, sowie die Stadt Windischeschenbach im Landkreis Neustadt an der Waldnaab gemeinsam höher gruppiert und steigen zum Mittelzentrum auf. „Mit der Aufwertung gehen Vorteile bei der Ansiedlung von Gewerbe und Handel einher, sie sorgt aber auch dafür, dass Behörden und Infrastruktureinrichtungen noch stärker in unserer Region konzentriert werden können und ihr Erhalt unterstützt wird“,  so Tobias Reiß. „Die Aufstufung ist auch eine Folge unseres Erfolgs bei der Behördenverlagerung für Waldsassen und Windischeschenbach“, betont Tobias Reiß nachdem die Behördenverlagerung und Aspekte der interkommunalen Zusammenarbeit entscheidend für die Aufstufung waren. Nicht zuletzt die überraschende Aufwertung Waldsassens sei ein Beleg dafür, denn ursprünglich hatten die Landesplaner kein Oberzentrum für den Landkreis Tirschenreuth vorgesehen.

„Der Minister zeigt mit seiner Entscheidung viel Weitsicht, der beharrliche Einsatz für die grenzüberschreitende Entwicklung der Region gemeinsam mit unserem Staatssekretär Albert Füracker hat sich gelohnt“, so Reiß weiter, der die Entscheidung als „einen Meilenstein für die Entwicklung der Region“ sieht. 

Hintergrund: Die „Heimatstrategie“ von Finanz- und Heimatminister Dr. Markus Söder umfasst fünf Bereiche, in denen der Freistaat den ländlichen Raum in besonderem Maße fördert. Sei es die Neuordnung des Finanzausgleichs mit höheren Zuweisungen oder den Stabilisierungshilfen zugunsten ländlicher Kommunen, der rasante Ausbau des Glasfasernetzes, die sogenannte „Nordbayerninitiative“ die unter anderem die Ausbildungsmöglichkeiten der OTH Amberg-Weiden aufgewertet hatte, oder die Verlagerung von Landesbehörden. Letztere hatte vor gut einem Jahr gleich in vier nordoberpfälzer Kommunen für große Freude gesorgt. So ziehen 70 Mitarbeiter des Landesamtes für Digitalisierung, Breitband und Vermessung in den kommenden Jahren nach Waldsassen um, weitere 60 nach Windischeschenbach. 20 Beschäftigte des Zentrums Familie und Soziales treten Ende des Jahres ihren Dienst im ehemaligen Amtsgericht in Kemnath an und 40 Mitarbeiter des Landesamtes für Finanzen besetzen die neu geschaffene Außenstelle der Reiseservicestelle Bayern in Vohenstrauß. Zusammen mit den 140 Mitarbeitern des Amtes für ländliche Entwicklung, die bereits vor einigen Jahren von Regensburg nach Tirschenreuth umzogen und den 276 Arbeitsplätzen neu entstehenden Arbeitsplätzen im nahe gelegenen Marktredwitz siedelt der Freistaat stolze 600 Behördenstellen in der nördlichen Oberpfalz und im direkt angrenzenden Oberfranken an. In der „Heimatstrategie“ ist darüber hinaus aber auch die Änderung des sogenannten Landesentwicklungsplanes und der Landesplangesetze als fünfte Säulen vorgesehen. Ziel dahinter ist es die Entwicklungsmöglichkeiten ländlicher Kommunen flexibler zu gestalten und vor allem Gewerbeansiedlungen zu erleichtern, aber auch Verfahren zu beschleunigen. Damit soll die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit notwendigen Infrastruktureinrichtungen wie Schulen,  Krankenhäusern und Behörden gesichert werden.  Bislang gibt es bayernweit 30 Oberzentren (mit 35 Kommunen), 156 Mittelzentren (mit 183 Kommunen) und 645 Grundzentren (mit 707 Kommunen).  Der jüngste Vorschlag des Heimatministers sieht vor weitere 11 Oberzentren und 16 Mittelzentren zu schaffen, dabei liegt ein Fokus auf dem „Raum mit besonderem Handlungsbedarf“, zu dem auch die nördliche Oberpfalz wie das angrenzende Oberfranken zählt. Das Landesentwicklungsprogramm ist seit über 30 Jahren die Grundlage für die räumliche Entwicklung des Freistaats. Es stellt das wesentliche Instrument zur Verwirklichung des Leitziels bayerischer Landesentwicklungspolitik dar, nämlich die Erhaltung und Schaffung gleichwertiger Lebens- und Arbeitsbedingungen in allen Landesteilen.