Klausur

Das Tchibo-Logistikzentrum im Industriegebiet von Eger umfasst 78.000 Quadratmeter. Was sich hinter den Fassaden verbirgt, erkunden die JU-Kreisverbände Tirschenreuth und Wunsiedel bei einer grenzübergreifenden Klausurtagung.

"Es geht darum über den Tellerrand des eigenen Bezirks zu schauen", meint Kreisvorsitzender Matthias Grundler. "Wir wollen enger zusammenarbeiten und unsere Partnerschaften verbessern." So treffen sich der JU-Kreisverband Tirschenreuth und Wunsiedel, um genau das zu tun. Dabei geht es auch über die Grenze nach Eger.

Teil ihrer Klausurtagung ist unter anderem eine Betriebsbesichtigung des Tchibo-Logistikzentrums. "Es ist das zweitgrößte Warenlager in ganz Tschechien", erklärt leitender Mitarbeiter Oldrech Orsag. Größer sei nur noch das von Amazon in der Nähe von Prag. Tomás Linda, zuständig für die städtische Entwicklung der Stadt, begleitet die Gruppe und dolmetscht.

Über 17.000 Artikel

Das Logistikzentrum wurde im Mai 2017 von Tchibo gepachtet. "Das Gebäude gehört der Alloclade Holding", so Linda. Am Haupteingang bekommt jeder eine lila Weste. Die Farbe des Kleidungsstücks kennzeichnet die Besucher. Auch im Betrieb symbolisieren die Westen die jeweilige Position des Mitarbeiters. "Für was steht ihre Farbe?", fragt ein Besucher Orsag. "Dunkelblau steht für Manager", lautet die Antwort. Die Gruppe folgt ihm durch eine Absperrung in den Betrieb.

Über eine Treppe gelangen die Besucher in eine Halle mit riesigen und vollbepackten Regalen. "Sie sind 8 Meter hoch und etwa 50 Meter lang", erklärt Orsag. Darauf lagern Paletten mit über 17.000 Artikeln der Tchibo GmbH. Transport und Logistik übernehmen rund 450 Mitarbeiter von Geis-Solutions. Sie arbeiten in einem Zwei-Schicht-System. "Alles was sie im Online-Shop finden, ist in diesem Lager." Jeden Dienstag und Donnerstag fügt Tchibo Produkte zu seinem Sortiment hinzu. Täglich kommen 25 bis 30 Lastwagen mit zwei Containern nach Eger, um neue Ware anzuliefern. Ebenso viele holen die fertigen Pakete zum Versand wieder ab.

Im Boden der Halle ist eine Bahn integriert. Durch sie wissen die 17 Gabelstapler wie sie fahren müssen. "Jeder Stapler hat einen Sensor. Dadurch können sie rechtzeitig bremsen, wenn Personen auf der Bahn sind." Jeden Tag werden 30.000 Bestellungen bearbeitet. Die fertigen Päckchen gehen nicht nur nach Deutschland oder Tschechien, sondern auch nach Österreich, Ungarn, Slowakei, Schweiz, Polen, Belgien oder die Niederlande.

Zuvor muss jeder Artikel 25 Stellen durchlaufen. Alles wird über ein automatisiertes Computersystem gesteuert. Es kennt jede Bestellung genau. Die Fehlerquote liegt dabei gerade mal bei 0,01 Prozent. "Doch der Mensch wird immer noch gebraucht", betont Orsag.

Erweiterung geplant

Denn die Mitarbeiter müssen alles kontrollieren. Qualität sei ein hohes Gebot: "Alte Waren werden rechtzeitig aus dem Lager in die Hauptzentrale nach Bremen gebracht." Bei Lebensmitteln werde das besonders streng gehandhabt. "Schon ein Jahr bevor das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist, wird beispielsweise Kaffee aussortiert."

Auch Retouren sollen künftig vermehrt in Eger bearbeitet werden. Einige würden bereits von dem Logistikzentrum übernommen. Die Mitarbeiter müssten darauf achten, ob die Verpackung in Ordnung ist und das Siegel passt. "Ausgepackte Artikel werden nach Bremen verschickt und dort liquidiert." Nur saubere und kontrollierte Produkte würden an den Kunden weitergeleitet. "Normalerweise wird alles verkauft, was im Lager ist", berichtet der Experte.

Orsag ist zufrieden mit seinem Arbeitsplatz bei Geis: "Ich fühle mich wohl hier. Es ist sauber und leise. Die Zeiten werden pünktlich eingehalten." Es ist geplant, das Logistikzentrum weiter zu vergrößern und technologisch zu verbessern. "Das Gebäude soll von 78.000 Quadratmeter auf 110.000 Quadratmeter ausgebaut werden", sagt Orsag. Zudem sollen die Stapler und Transportfahrzeuge noch intelligenter werden, indem sie eigenständig die Ware suchen und an die nächste Position fahren.

(Quelle: Der Neue Tag)