JU bringt neue Braut ins Spiel

Die Kreisverbände Wunsiedel und Tirschenreuth gehen in die Offensive: Sie fordern die Verantwortlichen auf, eine Fusion der Sparkasse Oberpfalz Nord und der Sparkasse Hochfranken zu prüfen. Der Wunsiedler Landrat Dr. Karl Döhler wiegelt ab. “Das ist für uns momentan kein Thema”, sagt er.

Wunsiedel/Tirschenreuth – Die Junge Union (JU) in den Landkreisen Wunsiedel und Tirschenreuth bringt eine Fusion der angeschlagenen Sparkasse Oberpfalz Nord und der Sparkasse Hochfranken ins Spiel. “Die JU-Kreisverbände fordern, die Möglichkeit einer Fusion der Sparkassen Oberpfalz Nord und Hochfranken zu prüfen”, teilen die beiden Kreisvorsitzenden, Stefan Brodmerkel (Wunsiedel) und Bernhard Söllner (Tirschenreuth), mit. Man müsse sich intensiv Gedanken machen, wie es mit “unserer Sparkasse” nun weitergehen solle und sich unter Umständen auch ganz neu orientieren, nachdem die bisherigen Verhandlungen ergebnislos geblieben seien, sagt Söllner laut einem Presseschreiben. Ein solcher Zusammenschluss über Bezirksgrenzen hinweg könnte seiner Meinung nach eine Lösung sein.

Gut für Kunden?

Brodmerkel kann sich ebenfalls eine Zusammenführung der beiden Institute vorstellen. “Die Vorteile liegen klar auf der Hand. Durch eine Fusion werden beide Sparkassen gestärkt”, wird er in der Mitteilung zitiert. Durch eine größere Kundenzahl falle es leichter, sich im Wettbewerb der Banken zu positionieren, wovon wiederum vor allem Kunden und Mitarbeiter profitierten. Zudem müsse sich auch die Sparkasse Hochfranken damit auseinandersetzen, wie sie sich weiterentwickeln wolle, argumentiert der Wunsiedler JU-Kreisvorsitzende.

Der Wunsiedler Landrat und Verwaltungsratsvorsitzende der Sparkasse Hochfranken, Dr. Karl Döhler, lehnt hingegen derartige Pläne ab. “Das ist für uns momentan kein Thema”, sagte er gestern auf Anfrage der Frankenpost. Döhler verwies darauf, dass sein Institut erst vor zwei Jahren durch eine Fusion entstanden sei. Diese müsse erst einmal verdaut werden. “Wir können nicht alle paar Jahre in eine Fusion hineingehen. Solche Diskussionen schaffen nur Verunsicherung bei den Mitarbeitern”, warnte er. Darüber hinaus müsse abgewartet werden, ob nicht doch noch eine oberpfälzische Lösung gefunden wird. Der Vorstoß der JU käme überraschend, sei deswegen aber nicht zu verurteilen. “Grundsätzlich finde ich es gut, wenn sich junge Menschen Gedanken um die Zukunft ihrer Region machen.” Jeder dürfe seine Ideen vortragen. “Das heißt noch nicht, dass alles umgesetzt wird.”

Überrascht zeigte sich auch der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Hochfranken, Bernd Würstl, als die Frankenpost ihn mit dem JU-Vorschlag konfrontierte. “Davon weiß ich nichts”, sagte er. Kommentieren wollte er die Forderung nicht und verwies stattdessen auf Verwaltungsratschef Döhler.

Die Sparkasse Oberpfalz Nord, die in Weiden und im Landkreis Tirschenreuth aktiv ist, sucht seit einiger Zeit einen Fusionspartner beziehungsweise muss sich einen solchen suchen, weil sie nur eine dünne Eigenkapitaldecke hat. Hintergrund ist das neue Regelwerk Basel III, das schärfere Eigenkapital-Vorschriften für den Finanzsektor vorsieht. Binnen zwei Jahren muss die Sparkasse Oberpfalz Nord nun ihre Eigenkapitalquote erheblich erhöhen, weil die Mittel aus dem Sparkassen-Stützungsfonds von 2013 an nicht mehr als Eigenkapital angerechnet werden dürfen.

Lippert mahnt zur Ruhe

Gescheitert war bereits eine Fusion zwischen der Sparkasse Oberpfalz Nord und den Vereinigten Sparkassen Eschenbach-Neustadt/Waldnaab-Vohenstrauß. Zur Frankenpost sagte der Tirschenreuther JU-Kreisvorsitzende und Kreisrat Bernhard Söllner: “Diese regionale Lösung war unser Favorit.”

Auch ein Zusammenschluss mit den Sparkassen Regensburg und Schwandorf war geplatzt. Söllner wundert sich darüber, dass zunächst “immer wieder Druck gemacht wurde”, es müsse schnellstens rückwirkend zum 1. Januar 2011 fusioniert werden. Jetzt, nach dem Scheitern, sei der Zeitdruck plötzlich weg. “Darüber macht man sich schon den einen oder anderen Gedanken”, ätzt Söllner.

Gelassen reagierte der Tirschenreuther Landrat und Verwaltungsratschef der Sparkasse Oberpfalz Nord, Wolfgang Lippert (Freie Wähler), auf die JU-Forderung. “Wieder etwas Neues”, sagt er. Er rät dazu, jetzt nichts zu überstürzen. “Wir müssen erst einmal Ruhe in die Sache hineinbekommen.” Am 26. September ist nach Auskunft von Lippert eine Verwaltungsratssitzung anberaumt, in der erneut über die Zukunft der Sparkasse Oberpfalz Nord diskutiert werde.

Ob eine Fusion der Sparkassen Oberpfalz Nord und Hochfranken sinnvoll wäre, darüber wollte sich Lippert nicht konkret äußern. Er erklärte lediglich: “Braut und Bräutigam müssen zueinander passen.” Er wisse nicht, wie die Sparkasse Hochfranken aufgestellt sei.

Quelle: www.frankenpost.de