Nur die Spitze des Eisbergs

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Neue Qualität des Drogenschmuggels – Personal muss erhalten bleiben

Waldsassen. (sek) Der JU-Kreisverband Tirschenreuth setzt sich für den Erhalt von Planstellen bei den Polizeiinspektionen im Grenzgebiet ein. Bei einem Fachgespräch mit Vertretern von Polizei, Zoll und den JU-Kreisverbänden Tirschenreuth und Wunsiedel wurde diese Thematik genauer beleuchtet.

Der JU-Kreisvorsitzende Bernhard Söllner und Initiator Mario Rabenbauer verwiesen auf eine Aussage des bayerischen Innenministers Joachim Hermann (CSU). Dieser hatte in einer Presseerklärung im Juni aufgrund der niedrigen Kriminalitätsrate eine Stellenverlagerung bei den Polizeiinspektionen in Grenznähe ins Spiel gebracht. Mario Rabenbauer stellte an die Gesprächsteilnehmer gerichtet fest, dass er sich nicht vorstellen könne, dass die
Kriminalitätsrate wirklich so niedrig sei.

Der Polizeipräsident der Oberpfalz Rudolf Kraus betonte, dass sich die Kriminalitätslage in den Grenzlandkreisen des Regierungsbezirkes Oberpfalz grundsätzlich positiv entwickelt hat. So sind die Straftaten im Grenzraum zu Tschechien insgesamt leicht rückläufig. Sorge bereitet ihm allerdings die derzeitige Entwicklung in den einzelnen Bereichen der Rauschgiftkriminalität. Insbesondere „die illegale Einfuhr von Drogen hat eine ganz andere Qualität erreicht.“ Rudolf Kraus hob bei seinen Ausführungen das Instrument der Schleierfahndung besonders hervor. Dieses hat sich seit Aufhebung der tationären Grenzkontrollen als erfolgreiche Bekämpfungsstrategie bestens bewährt. Bezüglich der personellen Ausstattung der Dienststellen äußerte sich der Polizeipräsident der Oberpfalz Rudolf Kraus dahingehend, dass im Zusammenhang mit der Evaluation der Grenzreform nicht der Eindruck entstehen dürfe, dass bereits konkrete Verlagerungen beschlossen seien.

Auch Bernhard Biersack vom Hauptzollamt Regensburg konnte einen Anstieg bei der Einfuhr von Drogen im Grenzgebiet zu Tschechien feststellen. Bis vor wenigen Jahren konnten in den grenznahen Märkten in Tschechien meist gefälschte Markenwaren und Zigaretten erworben werden, so Biersack. Seitdem der Drogenbesitz in Tschechien nur noch eine Ordnungswidrigkeit darstellt, ist auf den Märkten im Nachbarland ein stetiger Anstieg des Drogenhandels zu beobachten, führte Bernhard Biersack weiter aus. Er wusste zu berichten, dass beim Kauf von Marihuana inzwischen eine kleine Menge Crystal Speed „zum Probieren“ gratis mitgegeben wird.
Zwar habe die tschechische Polizei inzwischen den Ernst der Lage erkannt, die Rechtslage erschwere jedoch das Vorgehen gegen diese Märkte, stellte Achim Herkt vom Hauptzollamt fest.

Der Leiter der Polizeiinspektion Waldsassen Ludwig Hecht konnte in den Fallzahlen für seine Inspektion in Teilbereichen keinen wesentlichen Rückgang feststellen. Auch Ludwig Hecht zeigte sich erschrocken über die Qualität des Drogenschmuggels. Nicht nur eine Zunahme bei der Einfuhr der Mengen könne festgestellt werden, sondern auch welcher Aufwand für einen Schmuggel betrieben werde. Dabei hob Ludwig Hecht den Körperschmuggel hervor. Dabei werden die Drogen in Päckchen abgepackt und von den Personen geschluckt oder in Körperöffnungen versteckt, wusste Dr. Wolfgang Fortelny zu berichten. Aus ärztlicher Sicht konnte Dr. Wolfgang Fortelny den Anwesenden einen Überblick über die Wirkung und die Folgen der aufstrebenden Droge „Crystal Speed“ geben. Die Droge mache den Konsumenten äußerst schnell abhängig und führe zu einem rasanten körperlichen Verfall. Zahnausfall, Magenprobleme und Ausschläge seien die Folge. Schockiert zeigte sich Dr. Wolfgang Fortelny von der Tatsache, dass vermehrt Eltern und Großeltern für ihre Kinder bzw. Enkel zum Drogenkauf nach Tschechien fahren.

Der Bürgermeister von Waldsassen Bernd Sommer (CSU) unterstützt die Forderung des JU Kreisverbandes Tirschenreuth nach einer guten personellen Ausstattung der Polizeiinspektionen im Grenzgebiet. Bernd Sommer betonte, die Polizei vor Ort „muss einsatzfähig bleiben“.

Der JU-Kreisvorsitzende von Wunsiedel Stefan Brodmerkel verwies zunächst auf die gleiche Situation im Landkreis Wunsiedel mit den Grenzübergängen Selb und Schirnding. Auch hier ist man bestrebt die personelle Ausstattung von Landes-, Bundespolizei und Zoll zu erhalten. Weiter sah er als mögliches Gefahrenpotential hinsichtlich des Drogenschmuggels die Feld- und Flurwege, die über die Grenze zu Tschechien führen. Ludwig Hecht betonte, dass auch Zugreisende, Fahrradfahrer und Wanderer im Grenzgebiet mit Kontrollen der Bayerischen Polizei sowie des Zolls und der Bundespolizei rechnen müssen.

Die Teilnehmer des Fachgesprächs waren sich einig, dass der Anstieg bei der Qualität bei der Einfuhr von Drogen ein mehr als wachsames Auge der bayerischen Behörden benötige. Um das Über jedoch an der Wurzel packen zu können, müsse sich vor allem auf tschechischer Seite einiges in der Sicherheitspolitik ändern. Wichtig sei aber auch die Prävention. Denn solange es auf deutscher Seite Abnehmer gibt, wird es auf tschechischer Seite einen Markt dafür geben.